Mit der Natur im Einklang: Der Jahreskreis als Kompass.

Mit den Jahreszeiten leben. Was der Jahreskreis uns über Wandel, Balance und innere Stärke lehrt.

Wir leben in einer Zeit, in der vieles schneller wird. Tage verfliegen, Termine drängen, der Rhythmus scheint festgelegt. Die Natur hingegen folgt keinem geraden Weg. Sie bewegt sich in Zyklen. Stetig und verlässlich in ihrem ganz eigenen Tempo. Der Jahreskreis spiegelt genau das. Er zeigt, dass alles einem natürlichen Ablauf folgt: Werden, Wachsen, Reifen, Vergehen, Neubeginn. In dieser Ordnung liegt eine tiefe Weisheit. Sie erinnert uns daran, dass wir genauso Teil dieses Kreislaufs sind.

Ein uraltes Wissen und heute aktueller denn je

Unsere Vorfahren lebten in enger Verbindung mit diesen Zyklen. Sonne und Mond gaben Orientierung, das Licht bestimmte den Tag. Sie beobachteten Pflanzen, Tiere, Wetter und Jahreszeiten aufmerksam. Dieses Wissen war überlebenswichtig. Viele Pflanzen trugen Namen, die ihr Wesen beschrieben. So galt die Schafgarbe als Heilerin, die Wunden schließt. Außen wie innen. Bäumen schrieben sie Charaktere zu: die Eiche als Symbol der Stärke, die Birke für Neubeginn, die Linde für Trost und Mitgefühl.

Heute bestimmen Kalender, Deadlines und Displays unseren Takt. Trotz dieser Fülle an Orientierung verlieren wir oft das Gefühl für das, was uns eigentlich leitet. Nämlich der Wandel der Natur. Wir folgen künstlichem Licht, Leistungszyklen und Jahreszahlen und vergessen dabei, dass das Leben selbst zyklisch ist.

Der Jahreskreis – acht Ankerpunkte im Wandel

Der Ursprung des Jahreskreises wird oft im keltischen Raum verortet, doch sein Prinzip ist universell. Er besteht aus acht Stationen: vier Sonnenfeste (Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen) und vier Mondfeste dazwischen. Etwa alle sechs Wochen bietet sich so ein Moment des Innehaltens – ein natürlicher Rhythmus für Reflexion, Dankbarkeit, Neubeginn oder Ruhe.

Für mich ist nicht entscheidend, wie die einzelnen Feste heißen oder welchem Kulturkreis sie entstammen. Wichtiger ist die Haltung, mit der wir ihnen begegnen. Sie laden dazu ein, achtsam zu beobachten, was sich in der Natur verändert und gleichzeitig zu spüren, was sich in uns bewegt. Der Jahreskreis wird damit zu einem inneren Kompass. Er erinnert daran, dass Veränderung dazu gehört und alles stetig in Bewegung ist.

Resilienz im Rhythmus der Natur

Wer sich auf diesen natürlichen Zyklus einlässt, entdeckt eine Ruhe, die nicht von äußeren Umständen abhängt. Es gibt Zeiten des Aufblühens und Zeiten des Rückzugs – beide haben ihren Platz. Dieses Bewusstsein fördert innere Stärke und Gelassenheit. Resilienz entsteht, wenn wir den Wandel annehmen, statt ihn zu bekämpfen. In der Natur sehen wir, dass alles seine Zeit braucht. Wachstum, Ruhe, Reifung, Erneuerung. Nichts davon lässt sich erzwingen. Wenn wir diese Dynamik anerkennen, entsteht Selbstwirksamkeit. Wir spüren, dass wir den Dingen nicht ausgeliefert sind, sondern wir sie mitgestalten können.

Die Natur als Spiegel des Inneren

Der Jahreskreis erinnert uns daran, dass unser Leben mit allem verwoben ist. In jedem Blatt, das fällt, und in jeder Knospe, die sich öffnet, liegt ein Teil von uns. Die Natur lehrt uns, Wandel als Bewegung des Lebens zu begreifen, nicht als Bruch. Sie zeigt, dass Kraft aus Stille wachsen kann und Beständigkeit aus Veränderung. Diese Erkenntnis kann heilsam sein. Sie hilft, Veränderungen gelassener zu begegnen und im Fluss des Lebens Stabilität zu finden. In der Stille zwischen den Jahreszeiten entsteht Raum für das, was uns nährt. Für mich persönlich ist das echte Verbindung. Zur Natur und zu uns selbst.

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Der Wald in uns. Alte Geschichten, neue Verbindung.

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Im Rhythmus der Erde ankommen.