Pflanzen am Wegesrand.

Kennst du das Gefühl, wenn ein Spaziergang plötzlich nicht mehr nur ein Spaziergang ist? Wenn du eigentlich weitergehen möchtest, aber am Wegesrand ständig etwas deine Aufmerksamkeit einfängt?

Genau so ging es mir an diesem Septembertag. Zwischen Gräsern und Wildpflanzen zeigte sich der Herbst schon ganz vorsichtig. Die ersten Früchte des Weißdorns leuchteten rot, Samenstände zeichneten feine Strukturen gegen das Licht und die Goldrute brachte noch einmal das kräftige Gelb des Sommers in die Landschaft.

Ich war an einem meiner Lieblingsorte unterwegs und hatte meinen Sammelkorb dabei. Diesmal mit einem kleinen Auftrag. Eine liebe Frau hatte mich gebeten, ihr einen Herbstkranz aus dem zu binden, was die Natur gerade schenkt. Also wurde aus meinem Spaziergang eine kleine Suche nach Farben, Formen und Pflanzen, die genau diese Zeit zwischen Spätsommer und Herbst erzählen.

Wenn sich die Natur langsam verändert

Ich mag diese Wochen im September besonders. Der Sommer ist noch nicht ganz verschwunden, gleichzeitig verändert sich die Landschaft jeden Tag ein bisschen mehr. Die Wiesen werden wilder, zwischen den letzten Blüten tauchen immer mehr Samenstände auf und an Sträuchern und Bäumen reifen die Früchte. Vielleicht gehe ich deshalb so gerne immer wieder dieselben Wege. Denn sie sind nie wirklich dieselben. Wer regelmäßig draußen unterwegs ist, beginnt irgendwann, diese kleinen Veränderungen wahrzunehmen.

Was mir am Wegesrand begegnet ist

Mein Blick wandert inzwischen fast automatisch zu den Pflanzen um mich herum. Ganz bestimmt nicht aus dem Grund, weil ich alles sammeln oder verwerten möchte. Oft bleibe ich einfach stehen, schaue genauer hin und versuche zu verstehen, was dort eigentlich wächst. Und manches darf dann doch mit in meinen Korb, so wie ein paar Zweiglein der Goldrute. Mit ihrem kräftigen Gelb ist die Goldrute im Spätsommer kaum zu übersehen. Ich liebe diesen Kontrast ganz besonders. Noch einmal dieses leuchtende Sommergelb, während rundherum längst die ersten Herbsttöne auftauchen.

Daneben der Weißdorn. Ein zweifellos magisch und mystischer Baum, wie ich finde. Auch er zeigt jetzt, dass sich die Jahreszeit verändert. Seine kleinen roten Früchte sitzen zwischen den Blättern und sind schon von Weitem zu erkennen. Im Frühjahr begegnet er uns mit seinen weißen Blüten, jetzt trägt er seine roten Früchte. Genau das finde ich wunderbar. Wenn wir Pflanzen über das Jahr hinweg beobachten, lernen wir nicht nur ihre Namen, sondern ihren ganzen Jahreslauf kennen.

Und dann sind da noch die Gräser, Samenstände, verblühten Pflanzen und all die Dinge, in den wilden Formen, an denen wir vielleicht einfach vorbeigehen würden. Im Herbst verändert sich für mich der Blick darauf, was schön ist. Es müssen nicht immer Blüten sein. Gerade jetzt erzählen die Pflanzen davon, dass etwas gereift ist und langsam eine neue Phase beginnt. Für meinen wilden Herbstkranz sind genau diese unterschiedlichen Strukturen wunderschön.

Nicht alles muss mit

Je mehr ich über Pflanzen lerne, desto mehr verändert sich auch mein Blick auf die Natur. Ich sehe mehr. Ich erkenne mehr. Aber Pflanzenwissen bedeutet für mich nicht, möglichst viel zu sammeln. Manchmal schaue ich einfach nur hin. Berühre ein Blatt, rieche an einer Pflanze, beobachte sie oder lasse sie genau dort stehen, wo sie wächst. Am Ende meines Spaziergangs war mein Korb gefüllt mit einem kleinen Stück dieser Landschaft. Mit Pflanzen, Gräsern und Samenständen, aus denen später ein Herbstkranz entstehen sollte.

Nicht perfekt aufeinander abgestimmt, dafür einfach das, was an diesem Septembertag am Wegesrand gewachsen ist und die erneute Erinnerung daran, dass man gar nicht viel braucht. Zeit. Einen Weg. Und ein bisschen Neugier auf das, was dort wächst. Denn oft liegt das Schöne direkt am Wegesrand.

Zurück zur Natur. Zurück zu dir.
Deine Kim


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Ein Stück Spätsommer im Glas.