Ein Stück Spätsommer im Glas.
Was uns die Natur über Fülle und Übergänge erzählen kann
Im Moment hängen die Brombeersträucher bei uns voller dunkler Früchte. Und natürlich könnte ich Brombeeren einfach im Supermarkt kaufen. Aber irgendwie ist es nicht dasselbe. Mit einem Korb loszugehen, draußen zu sein, Beere für Beere zu sammeln und später mit dunklen Fingern nach Hause zu kommen, macht etwas mit mir. Mein Kopf wird ruhiger. Ich bin weniger im Denken und mehr bei dem, was ich gerade tue. Pflücken. Schauen. Riechen. Probieren. Weitergehen und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ich das Wissen über Pflanzen und unsere Natur so liebe.
Mit den Händen statt immer nur mit dem Kopf
Unser Alltag findet heute unglaublich viel im Kopf statt. Wir organisieren, planen, beantworten Nachrichten, schauen auf Bildschirme und springen gedanklich oft schon zur nächsten Aufgabe, während wir die jetzige noch gar nicht beendet haben. Wenn ich draußen sammle, passiert etwas anderes. Meine Hände haben etwas zu tun. Meine Sinne haben etwas zu entdecken. Und mein Kopf darf für eine Weile leiser werden. Ich muss nirgendwo ankommen. Ich gehe von Strauch zu Strauch, suche die reifen Beeren und irgendwann ist mein Korb voll. So simpel und gleichzeitig so wohltuend.
Vielleicht steckt darin auch ein Stück Selbstwirksamkeit?
Menschen haben über sehr lange Zeit viel unmittelbarer mit dem gelebt, was sie umgeben hat. Sie wussten, was wann wächst, was gesammelt, verarbeitet und für später haltbar gemacht werden konnte. Nein, ich möchte deshalb nicht in irgendeine vermeintlich romantische Vergangenheit zurückreisen. Das Leben früher war in vielerlei Hinsicht härter als unseres heute. Aber etwas von diesem Wissen und dieser Art des Tuns würde ich gerne wieder stärker in unser heutiges Leben holen. Etwas mit den eigenen Händen sammeln. Wissen, was vor der eigenen Haustür wächst. Daraus etwas herstellen. Und am Ende ein Glas in der Hand halten und wissen “Das habe ich selbst gemacht”. Für mich ist das Selbstwirksamkeit in einer ganz einfachen Form.
Nicht alles kaufen zu müssen. Nicht für alles jemanden oder etwas anderes zu brauchen. Sondern wieder zu erleben, dass du etwas selbst tun kannst. Die Natur entschleunigt uns auch deshalb so sehr. Weil sie uns aus einer Welt voller Informationen zurück in eine Welt bringt, die wir unmittelbar erleben können. Und heute wird aus diesem kleinen Stück Spätsommer ein Glas Brombeer-Chia-Marmelade.
Brombeer-Chia-Marmelade ohne Gelierzucker
Diese Marmelade kommt ganz ohne klassischen Gelierzucker aus. Die Chiasamen sorgen für die richtige Konsistenz, Ahornsirup bringt eine angenehme Süße und echte Vanille passt wunderbar zu den leicht herben Brombeeren.
Zutaten
350 g frische (wilde) Brombeeren
100 ml Ahornsirup (oder Süße nach Wahl)
55 g Chiasamen
15 ml frisch gepresster Zitronensaft
1 Vanilleschote
Zubereitung
Die Brombeeren gründlich waschen, in einen Topf geben und mit einem Schuss Wasser erhitzen. In der Zwischenzeit die Vanilleschote längs aufschneiden und das Mark herauskratzen. Die Früchte bei mittlerer Hitze köcheln lassen, bis sie weich geworden und zerfallen sind. Dabei immer wieder umrühren.
Anschließend die Brombeermasse durch ein feines Sieb passieren. So werden die vielen kleinen Kerne herausgefiltert und die Marmelade wird später wunderbar fein.
Die passierten Brombeeren zurück in den Topf geben. Vanillemark, Ahornsirup, Zitronensaft und Chiasamen unterrühren und alles noch einmal etwa 5 Minuten auf sehr kleiner Stufe ziehen lassen. Dabei regelmäßig umrühren, damit nichts am Topfboden ansetzt.
Danach vom Herd nehmen und weiter quellen lassen. Die Chiasamen brauchen ein wenig Zeit, um die Flüssigkeit aufzunehmen und die Marmelade anzudicken. Bei mir hatte sie nach ungefähr 15 Minuten die perfekte Konsistenz. Die fertige Brombeer-Chia-Marmelade in gründlich gereinigte Gläser füllen, verschließen und abkühlen lassen. Et voilà. Fruchtig, leicht herb, mit einem Hauch Vanille und für mich eine richtig schöne Möglichkeit, ein kleines Stück Spätsommer ins Glas zu bringen.
Gut zu wissen: Da diese Marmelade nicht wie eine klassische, stark gezuckerte Konfitüre eingekocht wird, bewahre ich sie im Kühlschrank auf und verbrauche sie zeitnah. Verwende immer saubere Gläser und sauberes Besteck zur Entnahme.
Naturwissen muss nicht kompliziert sein
Vielleicht denkst du bei Pflanzenwissen zuerst an unzählige Pflanzennamen, Inhaltsstoffe und Dinge, die man auswendig lernen muss. Für mich beginnt es viel früher. Nämlich beim Hinschauen und Wahrnehmen, was gerade wächst. Beim Sammeln und irgendwann vielleicht bei einem Glas selbst gemachter Brombeer-Chia-Marmelade auf dem Frühstückstisch.
Je mehr ich über die Natur lerne, desto mehr verändert sich mein Blick auf das, was mich jeden Tag umgibt und genau dieses Wissen möchte ich hier weitergeben. Einfach um uns vielleicht ein kleines Stück von etwas zurückholen, das in unserem schnellen Leben manchmal verloren geht. Die Verbindung zur Natur, zu unseren Händen und zu dem Gefühl, selbst etwas bewirken zu können.