Der leise Abschied vom Sommer.
Was uns die Natur über Fülle und Übergänge erzählen kann
Vielleicht hast du es in den letzten Tagen auch schon bemerkt. Das Licht verändert sich, morgens liegt manchmal eine erste Kühle in der Luft und auf den Wiesen zeigen sich zwischen all dem sommerlichen Grün bereits die ersten Zeichen des nahenden Herbstes. Noch ist der Sommer da und gleichzeitig beginnt sich etwas zu verändern. Ich mag diese Zeit im Jahr besonders, denn die Natur zeigt uns gerade sehr schön, dass Übergänge selten von heute auf morgen geschehen. Der Sommer verschwindet nicht plötzlich, um dem Herbst Platz zu machen. Beides darf für eine Weile nebeneinander existieren.
Eine Zeit der Fülle
Bevor die Natur sich im Herbst langsam zurückzieht, zeigt sie sich noch einmal in ihrer ganzen Fülle. Früchte und Beeren werden reif, Samen entstehen und viele Wildpflanzen stehen jetzt voller Kraft. Wenn wir über den Herbst sprechen, denken wir häufig zuerst ans Loslassen. Dabei kommt davor etwas mindestens genauso Wichtiges, nämlich die Ernte. Meinst du nicht, es könnte sich lohnen, diesen Gedanken auch auf unser eigenes Leben zu übertragen? Wir sind oft schnell beim nächsten Ziel und vergessen dabei wahrzunehmen, was längst entstanden ist. Was ist in diesem Jahr in deinem Leben gewachsen? Was hast du gelernt, verändert oder vielleicht zum ersten Mal gewagt? Nicht jede Ernte lässt sich von außen sehen. Manchmal ist sie eine Entscheidung, eine Grenze, die wir heute klarer setzen können, eine Begegnung, die etwas in uns bewegt hat, oder das Gefühl, uns selbst ein Stück näher gekommen zu sein.
Nicht alles muss gleichzeitig reif sein, oder?
Wenn du jetzt durch die Natur gehst, wirst du sehen, dass nicht alles zur gleichen Zeit reift. Während die ersten Früchte längst geerntet werden können, brauchen andere noch ein paar Wochen. Manche Pflanzen bilden bereits Samen, andere blühen noch. Keine scheint sich daran zu stören, dass die Pflanze neben ihr schon weiter ist. Eigentlich ein schöner Gedanke für unser eigenes Leben. Wir vergleichen uns so schnell mit dem, was bei anderen bereits sichtbar geworden ist, und vergessen dabei, dass wir nicht wissen, wie lange etwas dort wachsen durfte. Auch wir haben unser eigenes Tempo.
Das Dazwischen aushalten
Übergänge können sich manchmal seltsam anfühlen. Wir spüren, dass etwas nicht mehr ganz so ist wie vorher, wissen aber noch nicht, was daraus entstehen wird. Genau dieses Dazwischen möchten wir häufig möglichst schnell auflösen. Die Natur scheint es hingegen damit weniger eilig zu haben. Der Spätsommer muss sich nicht entscheiden, ob er noch Sommer oder schon Herbst ist. Vielleicht dürfen auch wir manche Dinge eine Weile offenlassen, beobachten und erst einmal wahrnehmen, bevor wir wissen müssen, wie es weitergeht? Wenn du also in den nächsten Tagen draußen bist, schau einmal etwas genauer hin. Welche Früchte sind bereits reif? Wo entstehen Samen? Welche Pflanzen beginnen sich zu verändern? Wie fühlt sich die Luft am Morgen an?
Vielleicht magst du dabei diese Frage mitnehmen: Was ist in meinem Leben gerade in Fülle und was darf noch ein wenig reifen?
Genau diese Art, Natur wieder bewusster wahrzunehmen, fasziniert mich immer mehr. Denn je mehr wir über Pflanzen, Jahreszeiten und natürliche Kreisläufe wissen, desto mehr entdecken wir oft auch über uns selbst. In meinen Plant Wisdom Walks, Kräuterworkshops & Naturcoachings möchte ich genau dafür Räume schaffen. Natur nicht nur als schöne Kulisse zu erleben, sondern wieder genauer hinzusehen, Zusammenhänge zu entdecken und vielleicht die eine oder andere Antwort dort zu finden, wo wir sie gar nicht gesucht hätten.